Beast Creatures

Originaltitel: Attack of the Beast Creatures
Alternativtitel: Hell Island
Genre(s): Horror, Trash
Regisseur: Michael Stanley
Produktionsland/-jahr: USA 1985
Weitere Informationen: Weitere Informationen in der OFDb

Manchmal hat man’s einfach nicht besser verdient, als zu leiden. Wenn die deutsche Erstveröffentlichung eines Films auch ein Vierteljahrhundert später noch die einzige ist, wo doch sonst wirklich jedem Mist eine DVD-Neuauflage spendiert wird (und wenn’s erst durch auf Trash spezialisierte Labels geschieht), und sein Bekanntheitsgrad selbst unter ausdrücklichen Freunden des allgemeinen Schundfilms sehr überschaubar ist, sollte das eigentlich Warnung genug sein. Aber die Hoffnung, eine vielleicht wenigstens unfreiwillig lustige versteckte Perle zu finden, stirbt halt zuletzt.

Story

Ein Schiff sinkt irgendwo im Nordatlantik (über Zweck und Ziel der Reise erfahren wir nichts; der Film steigt ein, als es schon nur noch teilweise aus dem Wasser ragt) und nur neun Menschen können sich in ein Rettungsboot retten. Die wenigen Wasservorräte gehen schnell zur Neige und so trifft es sich ganz gut, dass man eines Morgens auf einer Insel strandet. Wo genau sie da gelandet sind, kann sich niemand erklären (einer vermutet, es könnte sich um Grönland handeln, aber angesichts der eher tropischen Vegetation wird der Gedanke schnell verworfen – in einem ungewohnt logischen Moment fällt den Blitzmerkern sogar auf, dass die Insel generell im Nordatlantik etwas fehlplatziert erscheint), aber es gibt ohnehin Wichtigeres: Ein Passagier hat sich eine Wunde zugezogen (fragt mich nicht wie) und macht es wohl nicht mehr lange. Während ein Teil der Gruppe ihn noch am Ufer bettet, beginnen die anderen schon mal mit der Suche nach Wasser und Nahrung. Schnell stößt man auf einen See, doch als der Erste seinen Durst stillen möchte und daraufhin sein Gesicht verliert (wortwörtlich), erkennen die Gestrandeten, dass es sich um ein Säurebecken handelt. Unterdessen sehen zwei Herren nach dem Verletzten am Ufer und sind von dessen zwischenzeitlichem Ableben weniger überrascht als vielmehr von der Tatsache, dass sie nur noch ein blitzsauberes Skelett vorfinden. Dem Rest der Gruppe sagen sie davon vorerst nichts (auch später nicht, und es interessiert auch niemanden), aber veranlassen zumindest das Aufstellen einer Wache in der anbrechenden Nacht. Dies ist dann auch der Zeitpunkt, an dem sich allgemein die Erkenntnis durchsetzt, dass auf der Insel noch größere Gefahren lauern als profane Säureseen: Leuchtende Augen in der Dunkelheit künden von ungebetenen Besuchern, und tatsächlich schlagen zahlreiche kleine, bösartige Kreaturen zum Angriff und knabbern die Herrschaften ein bisschen an…

Bewertung

Wie schlimm das schon wieder alles ist. Eine Gruppe Gestrandeter auf einer augenscheinlich verlassenen Insel – das ist an sich schon nicht die Originalität in Tüten und in Beast Creatures (was ist das eigentlich für eine dämliche Bezeichnung?) wird es nichtmal mit dem Ansatz einer Alibi-Story ergänzt. Konsequenterweise besitzt bis auf zwei Charaktere niemand irgendeinen Hintergrund und auch kaum jemand eine klare Persönlichkeit – ich glaube, mindestens einer der Überlebenden bleibt sogar ohne einen Namen, womit streng genommen das verdammte Rettungsboot ausgeprägter charakterisiert ist… Auf ein Drehbuch hätte eigentlich gleich verzichtet werden können – die Dialoge wären durch Improvisation auch nicht schlechter geworden und nach der Ankunft auf der Insel rennt die Gruppe eigentlich nur durch den Wald (zunächst auf der Suche nach Wasser, später nach einem sicheren Lagerplatz – zumindest wird das behauptet; meines Erachtens gehen sie einfach bloß unkoordiniert durch die Gegend), wird angegriffen, setzt den Weg in dezimierter Anzahl fort, wird erneut angegriffen, und immer so weiter, bis nur unsere sehr früh als solche erkennbaren Final Guys übrig bleiben.

Das ist zweifellos exakt so grauenvoll dröge, wie es klingt, doch die eigentliche Katastrophe liegt in den Action-/Horrorsequenzen selbst. In der ersten Nacht wird tatsächlich noch etwas Suspense erzeugt, der erste Angriff ist zwar durch die Dunkelheit und den abenteuerlichen Schnitt chaotisch und unüberschaubar, aber wenigstens noch ein bisschen akzeptabel – was vor allem daran liegt, dass man die Monster nur schemenhaft erkennt. Wenn diese im Folgenden aber auch tagsüber in Erscheinung treten und zum fröhlichen Metzeln rufen, ist endgültig alles verloren. So etwas Lächerliches kann man sich nicht vorstellen, ohne es selbst in Bewegung gesehen zu haben: Bis auf die Arme und den Unterkiefer komplett unbewegliche rote Plastikpüppchen mit Augen, die nie nach etwas anderem als Tischtennisbällen aussehen, stellen hier die gefährlichen Tötungsmaschinen dar und stehen in der Glaubwürdigkeit dabei ungefähr auf einer Stufe mit diesen Trollfiguren aus den 90ern (unterboten wird das eigentlich nur von dem Schwein aus Attack of the Killer Hog). Wenn sie in den Bäumen auftauchen, ist es schon übel; wenn sie durch die Gegend „laufen“, mag man einfach nicht glauben, dass das ernst gemeint sein soll (da der Film frei von absichtlichem Humor ist, habe aber leider keinen Zweifel daran). Noch grandioser wird es, wenn die Viecher angreifen – dass sie dann nur noch als ein Büschel Haare erkennbar sind, ist nur zu ihrem Vorteil, aber wie sie regungslos an den Protagonisten hängen, die sich vor Schmerzen winden (das tat ich während dieser Szenen übrigens auch), spottet jeder Beschreibung. Man kann sich sicherlich schon denken, dass Beast Creatures auch nicht gerade mit Akteuren besetzt ist, die das ansatzweise glaubwürdig verkaufen könnten. Allgemein versuchen die meisten gar nicht erst, irgendwie ausdrucksstark rüberzukommen (insbesondere Frank Murgalo in der Rolle des bärtigen, wohlbeleibten Philip hätte problemlos durch einen Pappaufsteller ersetzt werden können, dann wären uns zusätzlich noch einige der abartig dummen Dialoge erspart geblieben), und die, die es probieren (besonders auffällig: John Vichiola als mürrischer Choleriker Mr. Morgan), blamieren sich fast ausnahmslos. Insofern ist es keine große Überraschung, dass kein einziger von ihnen über diesen Film hinausgehende Erfahrung vorzuweisen hat (gut, eine gewisse Joanne Stanley hat mal in einer australischen Soap mitgespielt; bezeichnenderweise ist sie hier nur ganz kurz als ertrinkende Namenlose zu sehen).

Gibt es also überhaupt etwas Positives aus Beast Creatures mitzunehmen? Nun, es dürfte sich ja um einen Amateurfilm mit entsprechendem Budget handeln (es lassen sich praktisch keine Hintergründe über die Produktion finden, aber die fehlende sonstige Präsenz fast aller Beteiligter lässt ja schon darauf schließen) und insbesondere aus dem deutschsprachigen Raum bin ich durchaus Zeug gewohnt, dem man das noch deutlicher ansieht (der Streifen sieht nicht ganz so sehr nach „ein paar Freunde stolpern mit Papis Videokamera durch die Landschaft“ aus). Dass es mitunter sogar noch schlechter gemacht wird, ändert aber natürlich nichts an den riesigen Mängeln: Es gibt kein wirkliches Set (nahezu die komplette Handlung in einem Wald anzusiedeln ist schließlich das Einfachste und ja eh ein hinreichend bekanntes Amateurhorror-Klischee) und außer einem angespitzten Stock (whoa!), einem Skelett aus dem Biologieunterricht und natürlich den angsteinflößenden Inselbewohnern keinerlei Requisiten; der zeitweilige Verzicht auf Scheinwerfer in den Nachtszenen macht sich wie erwähnt massivst negativ bemerkbar (merke: ein jämmerliches Feuer als alleinige Lichtquelle erschafft keine Gruselatmosphäre, sondern frustriert einfach nur den Zuschauer, der gerne irgendwas erkennen würde). Effekte finden auch kaum statt, der Splatter hält sich stark in Grenzen. Eigentlich wird’s nur beim ersten Kontakt mit dem Säuresee richtig blutig, während die Angriffe der Biestkreaturen verhältnismäßig harmlos verlaufen (für eine Indizierung hat es seinerzeit trotzdem gereicht).

Ach, eigentlich wollte ich doch auf positive Aspekte hinaus. Das gestaltet sich eben nur etwas schwer, denn es gibt sie nicht, bzw. entsprechende Ansätze werden zuverlässig zerstört. Wie schon gesagt: In der ersten Nacht wird zum ersten und einzigen Mal ein bisschen Spannung aufgebaut, davon abgesehen ist Beast Creatures langweilig und harmlos. Selbst über den Trashfaktor lässt sich kaum lachen – am ehesten natürlich über die atemberaubenden roten Giftzwerge, doch nach ihrem ersten Auftritt hat man da auch schon alles gesehen und der Reiz geht verloren. Die deutsche Synchro bietet auch keine unfreiwillig komischen Klopper, sondern ist nur unterirdisch ausdruckslos (dass es sich beim Sprecher von Mr. Morgan um die deutsche Stimme von Homer Simpson handelt, könnte für Fans dieses Cartoons ein gewisses Humorpotenzial beinhalten, aber zu denen gehöre ich nicht). Der alte Spruch „so bad it’s good“ trifft hier also schlicht und einfach nicht zu.

Fazit

Beast Creatures ist durch und durch grauenhaft, zieht sich unglaublich in die Länge (sowohl beim Aufbau bis zum ersten Angriff, der zur Hälfte des Films stattfindet, als auch in der „actionreicheren“ Phase danach) und kann dabei selbst durch seine Trashigkeit nur ansatzweise punkten. Die Monster sind wirklich denkwürdig und haben einen Mitleidspunkt verdient, aber das war’s auch schon. Etwas ungenießbareres habe ich selten zuvor gesehen – etwas schlechteres sicherlich, aber zumeist kann ich solchen filmischen Katastrophen wenigstens irgendwas abgewinnen (vor allem, wenn sie sich nicht ganz so ernst nehmen wie dieses Machwerk hier). In diesem Fall gelingt das so gut wie gar nicht.

1/10

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