Gutterballs

Originaltitel: Gutterballs
Genre(s): Horror, Splatter
Regisseur: Ryan Nicholson
Produktionsland/-jahr: Kanada 2008
Weitere Informationen: Weitere Informationen in der OFDb

Auf Horrorfilme der 70er und 80er wird sich seit einigen Jahren ja immer wieder gerne bezogen – zumeist in Form von Remakes, die klassischem Stoff mehr Gore, hippe Schauspieler und nervtötendes MTV-Cutting verpassen, aber hin und wieder gibt’s ja tatsächlich auch Hommagen, denen anzumerken ist, dass die Macher das alte Zeugs wirklich zu schätzen wissen (um mal wieder mit willkürlichem Namedropping einzusteigen: Shaun of the Dead ist dafür das vielleicht herausragendste Beispiel der letzten Jahre, allerdings auch nur weil Planet Terror eh außerhalb jeglicher Konkurrenz läuft). Gutterballs orientiert sich jedenfalls an William Lustigs starkem 1980er Splatter-Slasher Maniac, wie sich unschwer am Filmposter inklusive Tagline, aber auch an der generellen Aufmachung des Films selbst erkennen lässt. Es gibt definitiv schlechtere Vorzeichen.

Story

Irgendwann in den 80ern: Zwei Teenie-Cliquen pflegen in einem Bowlingcenter abzuhängen und, ACHTUNG SPOILER, zu bowlen. Auf der einen Seite hätten wir da die Freaks um die nuttige Lisa (beim Rest handelt es sich um ein Gothic-Mädel, einen Metaller, einen Transsexuellen und, um die Bande vom Rande der Gesellschaft komplett zu machen, einen Schwarzen), auf der anderen den frauenfeindlichen Proleten Steve, der Lisa nur noch semipositiv gesinnt ist, seit sie ihn auf einem Abschlussball abblitzen ließ, und seine gehirnamputierten Sidekicks. Eines Abends eskaliert eine Partie zwischen den verfeindeten Gruppen und führt zu einer Schlägerei, im Laufe derer Steve ein Fuß gebrochen wird, was dieser und seine Schergen zum Anlass für eine mehrfache Vergewaltigung Lisas nehmen. Sie stößt am nächsten Tag dennoch dazu, als das Spiel möglichst störungsfrei nachgeholt werden soll. Abgesehen davon, dass auf der Punkteanzeige der allseits unbekannte Name „BBK“ auftaucht, klappt das zunächst auch ganz gut – mit der Zeit fällt jedoch auf, dass Leute vom Weg zum Klo oder zur Bar eher selten zurückkehren und BBK auf dem Scoreboard statt Strikes Totenköpfe sammelt…

Bewertung

Die höchst eloquente Sprache ist das erste, was in diesem Film auffällt – laut IMDB wird unser aller Lieblingswörtchen „fuck“ in all seinen Variationen über 500 Mal verwendet (ich werd den Teufel tun und nachzählen). Heruntergebrochen wär das knapp ein Vorkommen alle 10 Sekunden; zwar lange noch nicht auf Hauptschulniveau, aber man kann sich vermutlich denken, dass es irgendwann auf die Eier geht (insbesondere in der deutschen Fassung, und das liegt noch nichtmal so sehr daran, dass ich „verfickt“ als Übersetzung für „fucking“ seit jeher für verfickt scheiße halte). Jetzt muss man sich vor Augen halten, dass es sich hier durchaus um Comedy handelt (großer Unterschied zum todernsten Maniac), bzw. handeln soll, und der Humor zu einem großen Teil von eben dieser Gossensprache getragen wird. Am Anfang ist es in seiner Stumpfsinnigkeit schon wieder ganz witzig, aber der Reiz geht schnell verloren. Die restliche Komik ergibt sich dann eigentlich nur aus manchen der Morde, die in klassischer Slasher-Manier fein säuberlich nacheinander ablaufen. 2-3 ziemlich nette Ideen sind dabei, der Rest ist dann eher humorlos hart. Insgesamt hat das zur Folge, dass der Film zwar über locker 80% der Laufzeit versucht, lustig zu sein, aber dafür erschreckend selten für Lacher sorgt.

Wie geschrieben: Die Abtötung diversen menschlichen Lebens ist nur teilweise spaßig gestaltet; die blutigeren dieser Szenen (deren Qualität in Sachen Umsetzung und Shock-Value im leicht überdurchschnittlichen Bereich angesiedelt werden kann) sind eigentlich sogar allesamt ernst (also nichts mit Fun-Splatter). Ich persönlich mag diese Inkonsequenz einfach nicht; ein comedylastiger Film (dass er daran scheitert, lustig zu sein, ändert ja nichts), der in seinen Gewaltszenen mit purem Ernst besticht, kann praktisch nie in beiden Bereichen richtig gut sein. Hier wird noch einen Schritt weiter gegangen, indem uns die angesprochene Vergewaltigung von Lisa über geschätzte 10 Minuten präsentiert wird, was einen völlig unangenehmen Stilbruch darstellt. Eigentlich eine selbstzweckhafte Ausschlachtung, jedoch dient die Szene als Aufhänger für die Story und Grundlage für ein paar Plot-Twists am Ende. Die sind weder enorm überraschend, noch bleiben sie ohne Logiklöcher.

Im Vorfeld des großen Finales findet wenig bis gar kein Storyaufbau statt (vom Beginn mit besagter Vergewaltigung abgesehen); die Handlung stagniert die meiste Zeit und wird bis kurz vor Schluss praktisch gar nicht mehr vorangetrieben. Lediglich unmittelbar vor den Morden passiert jeweils etwas, doch der Aufbau ist jeweils nahezu identisch (das ist an und für sich sicherlich nicht umwerfend außergewöhnlich für einen Slasher, aber selten fällt es so sehr auf wie hier). Zudem ist das Pacing im Eimer; es scheint fast so, als ob zum Ende hin der Anteil der vollkommen unbedeutsamen Laberszenen noch mehr Überhand nimmt als zuvor schon, während gerade im späteren Verlauf entweder die Action oder die Spannung doch zunehmen sollte – hier gibt es retardierte Momente statt einem retardierenden Moment (…oh Gott…). Der Täter bleibt ja erstmal unbekannt, Versuche, ihm auf die Spur zu kommen, gibt es auch nicht, sodass auch hier keine Spannung entsteht. Beachtlich langweilig.

Um doch noch ein positives Wort zu verlieren: Die Optik gefällt; Gutterballs sieht tatsächlich wie ein 80er-Slasher aus, ohne allzu billig zu wirken. Der passende Soundtrack mit (Hard) Rock der Marke Bachman-Turner Overdrive oder Harlequin ist eh über alle Zweifel erhaben. Massive Authentizitätseinbußen gibt es allerdings dadurch, dass während der Vergewaltigung ein „Daytona USA“-Automat zu sehen ist; wie ja nun jeder weiß, wurde der später für den Sega Saturn umgesetzte Racer 1994 veröffentlicht und hat somit hier nichts zu suchen. Davon abgesehen passt das aber schon; jemand, der nichts über den Film weiß, wäre vermutlich überrascht, dass er tatsächlich aus dem Jahr 2008 ist (in keinster Weise negativ gemeint; mir gefällt das).

Fazit

Außer dem gelungenen 80er-Feeling und der gehobenen Qualität mancher Effekte hat Gutterballs nichts zu bieten, der Humor erschöpft sich nach exakt nach dem siebenundfünfzigsten „fuck“ (also nach etwa drei Minuten) und die Spannung, sowie das Interesse an den Charakteren sind auf so einem niedrigen Niveau, dass die Enttarnung des Killers dann auch keinen Effekt hat. Insgesamt ist das schon so schlecht, dass jeglicher selbstgezogene Vergleich mit Maniac eine Frechheit ist. Wenn ihn wider Erwarten doch jemand sehen wollen würde, sollte er unbedingt zu den deutschen DVD-Veröffentlichungen von Cult Movie Entertainment greifen – der JK-Version fehlen 15 Minuten, während die 18er-Fassung um gigantische 25 Minuten geschnitten wurde und somit selbstverständlich zu bevorzugen ist, damit man nicht allzu viel Zeit mit diesem belanglosen Film verschwendet.

2.5/10

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