Night of the Living Dead

Originaltitel: Night of the Living Dead
Alternativtitel (Auswahl): Die Nacht der lebenden Toten
The Flesh Eaters
Monster Flick
Night of Anubis
Genre(s): Horror
Regisseur: George A. Romero
Produktionsland/-jahr: USA 1968
Weitere Informationen: Weitere Informationen in der OFDb

„It has been established that persons who have recently died have been returning to life and committing acts of murder.“

Es gab mal eine Zeit, in der der Begriff „Zombie“ ausschließlich mit der westafrikanischen, später vor allem in der Karibik verbreiteten Religion des Voodoo verbunden war. Verbreitet ist die Ansicht, dass es sich bei dieser Art der „wiederbelebten Toten“ um Opfer eines Nervengifts handelte, die in einem Zustand ohne nennenswertes (Selbst-)Bewusstsein als Arbeitssklaven verwendet werden konnten. Diese Thematik wurde durchaus auch in Filmen behandelt – White Zombie mit Béla Lugosi aus dem Jahr 1937 gilt beispielsweise als der erste Zombiefilm. Gute 30 Jahre später wurde der Begriff allerdings revolutioniert und „Zombies“ entwickelten sich zu dem, als das sie heute fast universell verstanden werden – wieder auferstandene Leichen, die außer dem Fleisch der Lebenden nicht mehr allzu viel im Sinn haben. Es mag in dieser Entwicklung Vorläufer gegeben haben, aber letztlich verantwortlich dafür ist ein Mann, der Großmeister des Zombiefilms, der legendäre und von mir bei jeder kleinsten Gelegenheit als Referenz herangezogene George A. Romero, der 1968 mit Night of the Living Dead eine neue Zeitrechnung des Horrors eröffnete.

Story

Nach einem dreistündigen Trip erreichen die Geschwister Johnny und Barbra einen Friedhof im ländlichen Pennsylvania, auf dem sie ein Kreuz am Grab ihres Vaters zu platzieren gedenken. Johnny erinnert sich der gar heiteren Streiche, die er seiner Schwester in Kindheitstagen auf eben diesem Friedhof gespielt hatte und lässt sich zu einem zünftigen karloff’schen „They’re coming to get you, Barbra“ hinreißen. So falsch liegt er damit nicht – der einzige andere, bereits die ganze Zeit etwas unkoordiniert herumstaksende Friedhofsbesucher fällt Barbra auf dem Rückweg zum Auto an. Den anschließenden Ringkampf mit Johnny entscheidet der angriffslustige Herr per Knockout für sich und nimmt die Verfolgung der jungen Frau auf. Die Flucht mit dem Automobil endet nach kurzer Zeit an einem Baum, doch glücklicherweise stößt Barbra auf eine Bauernhütte, die umgehend geentert wird und abgesehen von den übel zugerichteten Überresten des mutmaßlichen Hauseigentümers augenscheinlich verlassen ist. Kurz darauf trifft Ben ein, der ebenfalls eine Begegnung mit merkwürdig aggressiven und offenbar schmerzunempfindlichen Gestalten hinter sich hat und sogleich mit der Verbarrikadierung der Hütte beginnt. Eine Sondersendung im Radio unterrichtet uns währenddessen über das Ausmaß der Geschehnisse: Überall an der Ostküste tauchen blutrünstige Angreifer auf, über die Ursache kann nur spekuliert werden, aber es gibt Anzeichen dafür, dass sie nicht nur auf profanen Totschlag aus sind, sondern ihre Opfer teilweise sogar verzehren. Da auch Ben bereits festgestellt hat, dass die Herrschaften, die sich inzwischen in zunehmender Anzahl vor der Hütte versammeln, sich lediglich durch Feuer und gezielte Kopfschüsse beeindrucken lassen, scheint das Verbleiben in der Unterkunft der Gesundheit also am zuträglichsten zu sein. Erst später merken Ben und Barbra (nun gut, mit dem Merken hat die traumatisierte Barb es zu dem Zeitpunkt nicht mehr so), dass sie nicht die Einzigen mit dieser Idee waren – im Keller der Hütte befinden sich mit den Eheleuten Cooper samt auffällig angeschlagenem Töchterchen, sowie dem jungen Paar Tom und Judy eine Hand voll weiterer Personen. Mit zunehmender Gruppenstärke steigt jedoch auch das Konfliktpotenzial…

Bewertung

Erstmal ist festzuhalten, dass die ersten 15-20 Minuten vielleicht die Großartigsten der Geschichte des Genres sind; hier stimmt nahezu alles. Die Verfolgung von Barbra durch den guten Mann vom Friedhof verschafft ohnehin schonmal einen hervorragenden Eindruck von der instinktiven, zielstrebigen Angriffslust der Zombies (dass sie auf Fleisch aus sind, wissen wir zu dem Zeitpunkt ja offiziell noch gar nicht), und ganz besonders nach der Ankunft in der Farmhütte weicht das Gefühl der Sicherheit vor dem Verfolger schnell einer allgegenwärtigen bedrohlichen und klaustrophobischen Atmosphäre. Dafür verantwortlich sind in erster Linie das hervorragende Spiel mit Licht und Schatten und einige grandiose Bildkompositionen (legendär ist die Szene, in der erstmals der Blick auf die angewachsene Anzahl der auf die Hütte zusteuernden Zombies freigegeben wird). Das auch für damalige Verhältnisse niedrige Büdget dieser Indie-Produktion erwies sich so gesehen als Glücksfall: Statt spektakulärer Sets gibt es nur eine Hütte in einer unspektakulären (dadurch aber authentisch wirkenden) Umgebung, aus der mit geschickter Kameraarbeit das beste gemacht werden musste (und wurde); an die Stelle der Vorzüge des Farbfilms trat gezwungenermaßen eine kontrastreiche Optik, die in Farbe vielleicht unmöglich, vor allem aber nicht ansatzweise so effektiv im Hinblick auf den Gruselfaktor wäre und nicht selten an expressionistischen Ur-Horror der Marke Nosferatu oder Das Cabinet des Dr. Caligari erinnert.

Die durch die gefällige Optik aufgebaute Atmosphäre wird später durch die Radio- und TV-Nachrichten unterstrichen, indem sie das Ausmaß der Situation und die allgemeine Ratlosigkeit über Ursachen und Lösungsmöglichkeiten schildern – das passt definitiv gut zusammen, vermittelt gelungen den Eindruck einer beginnenden, kaum aufzuhaltenden Epidemie und fängt Schwächen in der Darstellung der Bedrohlichkeit der vor dem Haus lauernden Zombies gewissermaßen ab (das klappt bei der wehrlosen Barbra wie gesagt gut, doch um als wirkliche Bedrohung für die bewaffneten Hausbesetzer durchzugehen, sind es die meiste Zeit einfach zu wenige Untote; es ließe sich aber spekulieren, dass das gewollt sein könnte, um zu unterstreichen, dass die Gruppe es sich unnötigerweise selbst versaut). Insgesamt überaus beachtlich, gerade weil der Film mit einer sehr geringen Anzahl „richtiger“ Scares auskommt, die dann wiederum umso effektiver sind. Gesplattert wird übrigens in dieser Phase fast überhaupt nicht; das folgt dann erst im Schlussspurt, ist zwar auch dann beiweitem nicht so explizit wie in den Nachfolgern, aber schon nett anzusehen (und hier kann man sich wieder die Entstehungszeit vor Augen halten; Splatter-Pionier Herschell Gordon Lewis hatte zwar schon angedeutet, was man so alles aus einem Menschen herausholen kann, aber bei seinen Frühwerken wie Blood Feast handelte es sich dann doch eher um qualitativ fragwürdige FX-Showcases, während das Vorkommen von Metzeleinlagen im Rahmen eines ernsten Horrorfilms noch relativ frisch und entsprechend wirkungsvoll war).

Neben der Bedrohung durch die lebenden Toten liegt die Konzentration vor allem auf dem Verhalten einer isolierten Menschengruppe in einer Notsituation, von dem letzten Endes sogar die größere unmittelbare Gefahr ausgeht (in den Nachfolgern steigerte sich dieser Ansatz dann ja stets zu ausgewachsener Sozialkritik). Night of the Living Dead nimmt sich ausgiebig Zeit, auf die Eskalation der Konflikte zwischen den Charakteren hinzuarbeiten – eine Entwicklung der eigentlichen Story nimmt nur sehr wenig Raum ein, was die eine oder andere Länge mit sich bringt. Die Charaktere werden zwar nur oberflächlich ausgestaltet, wirken aber immerhin angenehm realistisch; die Reaktion auf den Ausbruch der Zombieepidemie kommt weitestgehend glaubwürdig rüber. Durchaus bemerkenswert, schließlich ist es das (logischerweise) erste und bis zum 2007er Diary of the Dead einzige Mal, dass wir die allererste Konfrontation mit den Untoten „live“ miterleben (also zumindest im Fall von Barbra; die anderen machten ihre ersten Erfahrungen off-screen) – irrationale Entscheidungen und Streitigkeiten auf der einen, sowie völlige Apathie auf der anderen Seite stehen einer solchen Story auf jeden Fall besser als der klischeehafte Held, der sich nach 10 Minuten mit der Gesamtsituation abgefunden hat und mit seiner Gruppe den Kampf aufnimmt. Darstellerisch sieht das ganze zwar nicht so rosig aus, doch glücklicherweise sind mit Duane Jones als Ben und Karl Hardman als Harry Cooper die tragenden Rollen mit den fähigsten Leuten besetzt. Judith O’Dea tendiert zeitweilig zu nervigem Overacting, sitzt nach der Ankunft in der Hütte aber eh hauptsächlich geistig abwesend herum. Die Unterdurchschnittlichkeit der beiden anderen Damen fällt durch ihre verhältnismäßig kleinen Charaktere nicht so sehr ins Gewicht, übler ist dann schon Keith Wayne als Tom – mit so einer Ausdruckslosigkeit wäre er selbst als Zombie eine Fehlbesetzung, stellt hier aber gewissermaßen den Vize-Good-Guy dar und scheitert so dermaßen, dass es ihm zu Lebzeiten hoffentlich peinlich war, mit so einer Leistung in die Filmgeschichte eingegangen zu sein. Bill Hinzman – der erste Romero-Zombie überhaupt – ist im Übrigen am Tag der Veröffentlichung dieser Rezension von uns gegangen. Sollte er wiederkommen, würde er dabei angesichts seines Auftritts in Night vermutlich eine gute Figur abgeben.

 Fazit

Zeitgenössische Kritiken verschaffen einen Eindruck davon, wie revolutionär der Film für das Horror-Genre gewesen sein muss – heute ist die damalige Schockwirkung durch das kompromisslose Grauen und den Splatter natürlich nicht mehr so stark ausgeprägt (abgesehen vom extrem starken Anfang), sodass die Schwächen – vor allem im Bezug auf den Cast und die dünne Story – deutlicher hervortreten. Die Grundstimmung kann sich vor allem durch die handwerkliche Finesse aber weiterhin sehen lassen und überhaupt hat Night of the Living Dead seine Wirkung als Horrorfilm ohne unfreiwillige Komik beibehalten, wenn auch in geringerem Ausmaß. Auch aus heutiger Sicht ein unterhaltsamer Film und als Begründer der ehemals grandiosen Living Dead-Reihe, sowie des modernen Zombiefilms an sich eigentlich ohnehin Pflichtprogramm.
Durch einen Fehler des damaligen Distributors ist Night übrigens seit jeher gemeinfrei und kann somit beispielsweise im Internet Archive heruntergeladen werden. Die Qualität dieses originalen Prints lässt naturgemäß aber zu wünschen übrig, sodass der Griff zu einer der zahlreichen restaurierten Versionen vermutlich der bessere ist (inwiefern die kolorierten Veröffentlichungen etwas taugen, vermag ich nicht zu beurteilen, würde aber nicht allzu viel erwarten).

7.5/10

Dieser Beitrag wurde in Horror, Reviews geschrieben und mit , getaggt. Speichere den Permalink.

Schreibe einen Kommentar