Story of Ricky

Originaltitel: Lai wong
Alternativtitel: Li wang
Riki-Oh
Riki-Oh: The Story of Ricky
Riki Ô
King of Strength
Caged Fury
Genre(s): Splatter-Komödie
Regisseur: Ngai Kai Lam
Produktionsland/-jahr: Hong Kong, Japan 1991
Weitere Informationen: Weitere Informationen in der OFDb

Dass Splatter sehr gut (wenn nicht gar am besten) auf komödiantische Weise funktioniert, wurde spätestens durch Filme wie Peter Jacksons Duo Infernale Braindead und Bad Taste bewiesen und in den letzten 20+ Jahren immer wieder belegt. Aus Ostasien war ich in dieser Beziehung allerdings lange eher kompromisslose Härte gewohnt. Dann jedoch kam Story of Ricky (okay, „dann kam“ ist gut, der Film entstand schließlich sogar ein Jahr vor Braindead, ich bin halt sehr spät auf ihn aufmerksam geworden und hab auch den Eindruck, dass der Hype um ihn erst weit nach seiner Veröffentlichung entstand), eine Produktion aus Hong Kong und Japan, die beweist, dass man auch viele tausend Kilometer nördlich der Heimat der genannten Beispiele die eigentlich groteske Zusammenführung von schwerster Körperverletzung und Comedy beherrscht.

Story

Story of Ricky spielt in einem privatisierten Gefängnis in Hong Kong, in das der Titelheld zu Beginn des Films eingebürgert wird. Ricky ist ein Gerechtigkeitsfanatiker vor dem Herrn und sitzt selbstverständlich nicht wegen irgendeines verabscheuungswürdigen Verbrechens ein, sondern wegen der Rache an den Mördern seiner Freundin. Im Zuchthaus stößt unser Good Guy aber auf üble Verhältnisse: Vereinzelte Gefangene stehen in gutem Kontakt zur Leitung – zunächst in Form des stellvertretenden Direktors, später kommt dann der Direktor höchstselbst hinzu – und können daher nach Belieben erpressen, nötigen, und so weiter. Die Misshandlung eines älteren Mannes bringt Rickys offenbar nicht allzu voluminöses Fass schon kurz nach seiner Ankunft zum Überlaufen und er stellt sich gegen die dominierenden Bösewichte. Dies verschafft ihm die Aufmerksamkeit des Direktors – verzeihung, des stellvertretenden Direktors natürlich -, der die jeweiligen Führer der vier Flügel des Knasts („Capos“ genannt) auf ihn hetzt. Da Ricky eine intensive Kampfkunstausbildung genossen hat und demzufolge logischerweise übermenschliche Kräfte besitzt, stehen jedoch selbst diese Tötungsmaschinen vor einer schweren Aufgabe…

Bewertung

Der Film hat eine hochinteressante Art. Dadurch, dass ein uneingeschränkt „guter“ Held (gut, er hat mehrere Menschen getötet und meines Erachtens ist das auch eher Mord als Totschlag, aber wir nehmen es mal als heldenhafte Tat hin) einer verbrecherischen Organisation gegenübersteht, die aus charismatischen Anführern, sowie den vier Capos besteht, die der Reihe nach abzufertigen sind, wirkt Story of Ricky wie ein Abenteuerfilm mit einer ordentlichen Prise klassischer Videospiel-Story (Conan meets Street Fighter? So in der Art kommt das glatt hin). Der Verzicht auf unnötigen Realismus unterstreicht diesen Eindruck noch: Einer der Capos besitzt extreme Körperkräfte, ein anderer hebelt die Gesetze der Schwerkraft aus und Ricky selbst ist es beispielsweise ein Leichtes, mittels eines Fausthiebs ein schönes gleichmäßiges Loch in den Bauch eines Gegners zu schlagen (das lernt man durch Qigong? Klingt praktisch, damit sollte man sich mal beschäftigen); Schmerzen kennt er ohnehin nicht. Gut, dieser ganze Aufbau bringt es mit sich, dass der Plotverlauf nach 5 Minuten im großen und ganzen klar ist und zudem Rickys kurz angerissene Hintergrundgeschichte auch die einzige Charakterzeichnung bleibt, aber darüber lässt sich locker hinwegsehen, da dieses simple Prinzip absolut stimmig zu dieser eher comichaften Art von Film passt.

Die allgegenwärtige Komik durchläuft Höhen und Tiefen, keine Frage. Mit dem eigenartigen asiatischen Humor habe ich ohnehin häufig meine Probleme, und z. B. der diesen intensiv verkörpernde Sohn des Gefängnisdirektors lässt aus diesem Grund umgehend Gedanken an postnatale Abtreibung aufkommen. Einige originelle Ideen – das Verknoten durchtrennter Sehnen im Arm zum Zweck der Reaktivierung desselben oder der Einsatz des eigenen Darms zum Würgen des Kontrahenten sind Paradebeispiele dafür -, sowie ein Haufen aus heutiger Sicht vielleicht nicht bahnbrechend außergewöhnlicher, aber doch amüsanter Metzeleinlagen gleichen das jedoch wunderbar aus. Durch die von vorn bis hinten komplett grottige deutsche Synchronisation und vereinzelte abenteuerlich schlechte Effekte entstehen zudem ständig unfreiwillig komische Situationen; der Trashfaktor ist nicht zu verachten und ein entsprechendes Humorverständnis vorausgesetzt stärkt das den Film eher noch, als dass es ihm schadet.

Um das aber gleich mal zu relativieren: Die Effekte sind überwiegend absolut solide, es ist nicht so als wären hier nur Dilettanten am Werk gewesen. Den wenigen Totalausfällen, zu denen die Rückblende zum Tod von Rickys Freundin und leider auch der Auftakt des finalen Showdowns gehören, steht eine ganze Reihe gut in Szene gesetzter Splatterszenen gegenüber, die aber eben trotz ihrer Härte zumeist gekonnt humoristisch eingesetzt werden (wenn jemand auf überaus grafische Weise mit dem Gesicht auf ein Nagelbett fällt und der erste Kommentar seiner Kumpanen „Hast du dich verletzt?“ ist, ist das schlichtweg zum Brüllen; ich zweifel hier ja mittlerweile selbst am Niveau meines Humors, aber in diesem Film kann man derlei Szenen einfach nur lieben). Zum Ende des Films wird ähnlich wie in Genre-Legende Braindead dann noch der übriggebliebene Vorrat an Kunstblut verbraucht – muss ja auch weg, das Zeug, bevor es anfängt zu stinken. Was in Peter Jacksons Werk ein Rasenmäher war, wird hier durch einen Fleischwolf erledigt. Wirklich spaßig, und wäre dieser Szene nicht der bereits angesprochene, völlig absurde (aber auf unlustige Weise) und miserabel umgesetzte Auftritt des „Endgegners“ vorausgegangen, könnte es das Finale tatsächlich fast mit dem des neuseeländischen Meilensteins aufnehmen.

Fazit

Story of Ricky ist Trash, kein Zweifel, aber insgesamt verdammt witzig, und zwar gar nicht nur aufgrund seiner offensichtlichen Mängel, zumindest größtenteils nicht. Wenn Story- und Charaktertiefe, schauspielerisches Können und vor allem die Qualität der Synchronisation außen vor gelassen werden, was mir in diesem Fall doch recht leicht fällt, hat man es hier jedenfalls mit einer soliden Splatter-Komödie zu tun, die zwar nicht an die ganz großen Genre-Klassiker heranreicht, aber zur gehobenen Klasse gehört und deren gewisser Kultstatus vollkommen nachzuvollziehen ist.6/10

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