Attack of the Killer Hog

Originaltitel: Attack of the Killer Hog
Alternativtitel: Attack of the Killer Hog – Angriff des Killerschweinchens
Genre(s): Amateur, Slasher, Comedy
Regisseur: Agustín Cavalieri
Marcos Meroni
Produktionsland/-jahr: Argentinien 2000
Weitere Informationen: Weitere Informationen in der OFDb

„Warum sind wir grün?“ – „Das ist dein Geisteszustand.“

Für Filme der eher trashigen Art ist die Beschreibung „so schlecht, dass er schon wieder gut ist“ längst zum Klischee geworden. Ich will gar nicht sagen, dass die Aussage komplett hohl wäre, aber welche Masse an Filmen damit mittlerweile belegt wird, auch wenn sie eigentlich entweder nicht ansatzweise derart schlecht, oder wiederum so verdammt schlecht, dass sie nicht mehr „schon wieder gut“, sondern schon wieder schlecht sind (Violent Shit, anyone?), ist nicht mehr feierlich. Ein Kandidat, für den diese Bewertung aber wie geschaffen scheint, ist das vorliegende argentinische Machwerk Attack of the Killer Hog, das, wenn es durch einen höheren Bekanntheitsgrad mehr Votes abgreifen könnte, ein Stammgast in der Bottom 100 der IMDB wäre.

Story

Eigentlich würde an dieser Stelle eine Plot-Zusammenfassung folgen (ach?), aber die Señores Cavalieri und Meroni machen es einem wirklich nicht leicht… Die Story ist komplett konfus; es dürfte ein Ding der Unmöglichkeit sein, sie in Kürze zusammenzufassen, ohne wichtige Punkte außer Acht zu lassen. „Wichtig“ bedeutet hierbei wohlgemerkt soviel wie „wiederkehrend, aber dennoch ohne jegliche Bedeutung für den Plot, da eh im Minutentakt neue Storyelemente aus dem Nichts auftauchen und andere sich in selbiges verabschieden“. Im Groben geht es um eine Mordserie, die in einem Zusammenhang mit der halluzinogenen Modedroge Shumango steht. Die Ermittler Vega und Hobbes untersuchen den Fall, doch schon vor ihnen erfährt der Zuschauer, dass es sich bei dem Täter um ein mit einem Küchenmesser bewaffnetes Plüschtier in Schweineform handelt. Eine weitere Bedrohung sind die Außerirdischen, die einst Elvis wegen des Neids auf seine Stimme entführten, da sie selbst nur über Rülpslaute kommunizieren können. Einer der besagten Ermittler ist – wie sich in einem unheimlich emotionalen Moment herausstellt – der Sohn des aufgequollenen  Säufers aus Graceland. Wie man daraus sicher schon schließen kann, ist nichts naheliegender, als dass der Film in einem Laserschwertkampf mündet. Mein Gott.

Bewertung

Die oben beschriebenen sind beileibe nicht alle Aspekte der Story, aber halt schon diejenigen, an denen sich entlanggehangelt wird. Ich kann förmlich sehen, wie die beiden Regisseure und Autoren in Personalunion ein paar Abende in Gesellschaft mit gutem Dope und schlechtem Bier verbrachten und im Anschluss die dümmste Idee der Sitzung für den Film auswählten. Was dabei herauskommt, muss wirklich mit eigenen Augen gesehen werden; es ist unglaublich. Ohnehin schon fragwürdige Plotpoints (ein Paar, das wegen der Angst vor einem behinderten Kind auf Sex verzichtet; ein zwergwüchsiger, vampirischer Rabbi mit Mutterkomplex; es gibt so viele Beispiele…) verlaufen kurz nach ihrem Auftauchen auch schon wieder ins Nirvana und im Endeffekt ergibt sich kein wirkliches Gesamtbild, sondern ein Patchwork-Film, bei dem keine Szene über ihre Dauer hinaus irgendeinen Sinn ergibt oder auch nur die geringste Daseinsberechtigung hat. Selbst die besagten roten Fäden halten die Handlung kaum zusammen, da auch sie letztendlich auf nichts hinauslaufen und zum Schluss nahezu keine Rolle mehr spielen. Das ist keine surrealistische Kunst, kein intelligenter Mindfuck – es ist einfach nur wirres Zeug.

Die visuelle Gestaltung passt sich wunderbar dem *hüstel* extravaganten Plot an. Etliche Farb- und sonstige stilistische Filter, merkwürdige Schnitte und Kamerafahrten, sowie der Wechsel des Filmmaterials und das Einstreuen von Animationssequenzen zeichnen Attack of the Killer Hog aus und können manchmal sogar die leise Hoffnung aufkommen lassen, es hier vielleicht doch mit einem künstlerisch irgendwo anspruchsvollen Streifen zu tun zu haben (wenngleich es in dieser Masse natürlich hoffnungslos überladen wirkt). Dass die Kreation eines solchen das Hauptanliegen der Regisseure war, lässt sich der Website des Films entnehmen. Es ist die Rede von Farbsymbolik und speziellen Schnitttechniken für verschiedene Charaktere. Auch hier halte ich schweren Drogenmissbrauch seitens der Beteiligten für wahrscheinlicher, als dass da wirklich etwas dran ist. Wie dem auch sei, die Optik ist nicht unstylish, aber selten zuvor wäre weniger so viel mehr gewesen. Gelegentlich passen die Filter und ergeben im Kontext der Handlung durchaus Sinn (WTF, Handlung, Sinn, ich nehm’s ja schon zurück), doch insgesamt haben wir hier ein herausragendes Beispiel für selbstgefälligen und -zweckhaften, sowie überladenen Einsatz optischer Gestaltungsmittel. Noch dazu macht das alles den Film mitunter ziemlich anstrengend für den Zuschauer.

Im Gegensatz dazu wissen die Spezialeffekte durchaus zu gefallen. Der dezent eingesetzte Splatter sieht gut aus, und insbesondere die CGI-Spielereien wirken zum Teil geradezu professionell. Beispielsweise hat der finale Lichtschwertkampf zwar selbstverständlich keinerlei Sinn (außer, dass man wohl unbedingt noch einen Star Wars-Tribut einbauen wollte, worauf ich sehr gut verzichten könnte… also sowohl auf Star Wars, als auch auf Anspielungen darauf), doch gegen die dort angewandten SFX kann man kaum etwas sagen. Das muss natürlich insofern relativiert werden, dass da nichts zu sehen ist, was nicht schon vor 30 Jahren möglich war, aber für eine Lowest-Budget-Amateurproduktion ist es sehr ordentlich.

So schwach der Film an sich auch ist – einen vielleicht nicht entscheidenden, aber definitiv einflussreichen Beitrag zum Trashfaktor leistet die deutsche Synchronisation. Während das Original mit seinem spanisch akzentuierten Englisch zumindest im Trailer ganz okay wirkt, schießen die deutschen Sprecher den Vogel, wenn nicht gar einen ganzen Schwarm ab. So ziemlich alle Charaktere außer Hobbes und Vega klingen wahlweise österreichisch oder klischeehaft homosexuell (nein, ich wusste auch nicht, dass es da einen Unterschied gibt, aber wenn man anderthalb Stunden damit zugeballert wird, lernt man tatsächlich etwas zu differenzieren). Ausdrucksstärke braucht man nicht zu erwarten; eher eine zwanghaft auf „lustig“ getrimmte Synchro. In der Tat bietet sie eine gewisse Komik, wenngleich eher unfreiwillig. Die Übersetzungen scheinen zudem mehrmals die Originaldialoge zu verfälschen, bzw. sind teilweise völlig Fehl am Platz. Ein gewisses humoristisches Potenzial durch Wortspiele etc. geht somit verloren. Vermutlich unterstelle ich den Herrschaften, die  Attack of the Killer Hog (v)erbrochen haben, da aber zu viel Können, wenn ich spekuliere, dass dieses Potenzial in der Originalfassung auch nur ansatzweise genutzt wurde.

Außer mancher der angesprochenen Filter- und FX-Spielereien bietet Attack of the Killer Hog erschreckend wenige positive Aspekte. Erschreckend deshalb, weil ich mich während des zweimaligen Ansehens durchaus unterhalten fühlte (wusste allerdings schon vorher, was ungefähr auf mich zukommt) und den ihm von einigen wenigen Leuten zugeschriebenen Trash-Kultstatus nachvollziehen kann. Sicherlich ist die Unterhaltung nicht von sonderlich hohem Niveau; natürlich scheitert der Film vollkommen, wenn er sich mal an nicht absolut überdrehtem Wahnsinn versucht und beinhaltet in diesen Phasen daher auch einige Längen, aber im Endeffekt ist das argentinische Stück Zelluloidmüll irgendwie faszinierend – und sei es nur wegen der andauernd aufkommenden Fragen „Wie kommt man auf diesen Bullshit?“, „Warum ist argentinisches Gras so viel potenter als meins?“ und „Warum im Namen des Herrn wird sowas hierzulande auf DVD veröffentlicht?“ (übrigens nach meinen Informationen die einzige ausländische Veröffentlichung; der Film ist in Deutschland durch besagten Kultstatus unter Trashfans wahrscheinlich eh bekannter als im Entstehungsland selbst). Ohne eine positive Einstellung gegenüber Trash an sich und vor allem ohne jegliches Vorwissen über das bevorstehende cineastische Grauen dürfte es nicht möglich sein, auch nur den geringsten Gefallen an Attack of the Killer Hog zu finden. Er ist und bleibt eine amateurhafte Katastrophe, der zumindest ich mehr abgewinnen kann, als gesetzlich erlaubt sein sollte.

Fazit

Ist das also nun einer der ominösen Filme, die so schlecht sind, dass sie schon wieder gut werden? Ja, wie „gut“ genau ist streitbar, aber das kommt schon hin; er ist außerordentlich scheiße, aber dadurch genießbar. Was mir das ganze aber etwas madig macht, ist der Eindruck, dass es los diletantes extremas aber genau darum ging. Vielleicht glaube ich zu sehr an das Gute im Menschen, doch es ist für mich kaum vorstellbar, dass sie zu einer einzigen Sekunde der Meinung waren, hier einen potenziell objektiv brauchbaren Film zu drehen. Für mich wirkt das schon unsympathisch-berechnend – im Gegensatz zu anderen unterhaltsamen Schundwerken, die von motivierten Filmschaffenden stammen, die zumindest zeitweise der Überzeugung waren, dass sie da etwas gutes auf die Beine stellen, woraus aufgrund eklatanten Nichtskönnertums nichts wurde (ein paar von Ed Woods legendären Epen gefallen mir aus dem Grund durchaus besser, obwohl sie objektiv gesehen wohl noch schlechter sind). Anyways, als Trash-Freund und Katastrophentourist kann es keineswegs schaden, das Killerschwein mal in Aktion gesehen zu haben; optimalerweise natürlich im selben Zustand, in dem Cavalieri und Contreras den Film drehten.

3/10

Dieser Beitrag wurde in Reviews, Trash geschrieben und mit , getaggt. Speichere den Permalink.

Schreibe einen Kommentar