Ju-on: The Grudge

Originaltitel: Ju-on: The Grudge
Alternativtitel: Rancore
Genre(s): Horror
Regisseur: Takashi Shimizu
Produktionsland/-jahr: Japan 2003
Weitere Informationen: Weitere Informationen in der OFDb

Hier haben wir einen Vertreter der japanischen Geisterhorrorwelle der 2000er, die durch Ringu ins Rollen gebracht wurde. Ebenso wie dieser, sowie der Dritte im Bunde der bekanntesten Vertreter der ersten Stunde (Dark Water) erreichte Ju-on erst per Remake ein größeres westliches Publikum. Die Geschichte der Ju-on-Reihe unterscheidet sich aber etwas von den beiden: Während The Grudge mit Sarah Michelle Gellar ja geläufig sein dürfte, ist weniger bekannt, dass Ju-on: The Grudge selbst ein Remake ist; hier wurde nämlich der japanische Fernsehfilm Ju-on für das Kino aufbereitet. Besagte Urfassung besitzt einen Nachfolger, das japanische Remake ebenso, und von der US-Version gibt es nunmehr ja sogar drei Teile. Interessanterweise hat bei jedem einzelnen dieser Filme, abgesehen vom 2009 veröffentlichten dritten Ami-Part, stets Takashi Shimizu Regie geführt. Was man nicht alles aus einer einzigen Idee herausholen kann… Der Einfachheit halber werde ich in diesem Review stets von Ju-on sprechen, womit natürlich das japanische Remake gemeint ist.

Story

Die Sozialarbeiterin Rika Nishina hat einen Job im Haus der Familie Tokunaga zu erledigen. Dort findet sie allerdings nur die verstörte Mutter des Besitzers vor, die in der unaufgeräumten Umgebung (so soll es wohl rüberkommen; für mich sieht’s gemütlich aus) dahinvegetiert. Verdächtige Geräusche aus dem Obergeschoss bewegen Rika zu Nachforschungen, und siehe da – sie entdeckt einen eingesperrten kleinen Jungen, der sich ihr als Toshio vorstellt, aber schnell wieder verschwindet. Als schließlich auch noch die Mutter von dem schattenhaften Geist einer Frau eingenommen wird und stirbt, wittert Rika langsam, dass etwas an diesem Haus nicht stimmt und fällt standesgemäß in Ohnmacht.
Es folgen diverse locker zusammenhängende Episoden aus Vergangenheit und Gegenwart des Hauses. Das verschwundene Ehepaar Tokunaga, die Schwester des Hausherrn, ein Sicherheitsmann ihrer Arbeitsstelle, ein paar Schulmädchen (ach, und sowas in einem japanischen Film, wer hätte damit gerechnet?), ein ehemaliger Ermittler – sie alle kamen und kommen in irgendeiner Form mit dem Gebäude in Berührung, was in den meisten Fällen eher zu ihrem Ungunsten ausfällt. Derweil laufen die Ermittlungen auf Hochtouren: Einst hat ein Mann in dem Haus seine Frau ermordet, womit die merkwürdigen Vorkommnisse begonnen zu haben scheinen. Der Sohn des Paares ist seitdem wie vom Erdboden verschluckt. Klarer Fall – die tote Frau und Toshio sind Bestandteil eines Fluches, doch davon kann mangels Lebendigkeit nach einer Begegnung mit ihnen kaum jemand berichten. Nur der frühere Cop Yûji Toyama hat offenbar jemals das Haus betreten und überlebt…

Bewertung

In Anbetracht der früher erschienenen Ringu und Dark Water erscheinen die Story und insbesondere die Antagonisten wenig originell. Einmal mehr haben wir es mit Geistern von Ermordeten zu tun, die durch einen bestimmten Auslöser beginnen, Jagd auf eigentlich Unschuldige zu machen (bei Sadako/Samara war es bekanntlich ein Video; bei Mitsuko ähnlich wie hier die Anwesenheit am Ort des Todes). Wenigstens fehlt diesmal das Wasser als Zeichen bevorstehenden Unheils (im US-Remake taucht es jedoch wieder auf…). In der Tat darf man nicht viel neues erwarten, insofern man 2-3 Genrevertreter gesehen hat, doch das Konzept funktioniert nunmal recht gut und macht Ju-on nicht zwingend weniger interessant als die inoffiziellen Vorbilder.
An der Umsetzung hapert es allerdings etwas. Die Darstellung in Kapiteln, bei denen zwischen Gegenwart und Vergangenheit gewechselt wird und die untereinander teilweise verschachtelt sind, ist eine der wenigen Innovationen des Films – und haut im Endeffekt kaum hin. Zu verwirrend; zu undurchsichtig erscheinen die Zeitsprünge, und aufgrund der Kürze der „Episoden“ baut sich in den seltensten Fällen eine Bindung mit den jeweiligen Protagonisten auf. Die Charakterzeichnung wird, wenn überhaupt existent, nur auf das Notwendigste beschränkt; lediglich die einrahmende Handlung um Rika ist etwas ausführlicher. Es wirkt fast so, als wäre dieses Storykonstrukt zusammengeschustert worden, um einfach möglichst viele Nebencharaktere und somit möglichst viele Tote unterzubringen. Der Eindruck verstärkt sich noch durch die Tatsache, dass kein Wert darauf gelegt wird, Ansätze zur Auflösung zu bieten. Das Ende ist offen und es gibt keinen Hinweis, wie und warum der Fluch entstanden ist (einen Mann, der seine Frau tötet, dürfte es ja auch in Japan nicht nur in diesem Haus gegeben haben; das taugt als alleiniger Auslöser nicht wirklich), warum manche der Opfer selbst als Geister erscheinen, ob und wie überhaupt ein Ende des Fluchs erreicht werden kann… Was sich auf dem ersten Blick durchaus zu einer netten mysteriösen und komplexen Geschichte entwickeln könnte, entpuppt sich schließlich als unausgegorenes Etwas, dem es an nicht mal ansatzweise begründeten Plotpoints nicht mangelt. Wenn sich Herr Shimizu versehentlich mit David Lynch verwechselt hat, hätte er beachten sollen, dass dessen Mindfuck gerade durch eine Vielzahl von Interpretationsmöglichkeiten funktioniert, die sich aus dem Film heraus plausibel begründen lassen – das sehe ich hier nicht gegeben.

Eigentlich ist das ziemlich schade, denn der Horror an sich hat Potenzial – Ju-on hätte in dieser Hinsicht ein intensiverer Film als Ringu werden können, wenngleich sich die Prioritäten der beiden Filme schon etwas unterscheiden. Ist man erstmal mit dem Fluch in Berührung gekommen, gibt es kein Entrinnen, was sehr gut dargestellt wird. Insbesondere durch die akustische Untermalung baut sich eine angenehm gruselige Atmosphäre auf, die sich wiederum leider immer wieder (und häufig auf die exakt gleiche Weise, Stichwort Treppe) auf den selben Höhepunkt hinbewegt: Das Erscheinen von Toshio und/oder seiner Mutter. Deren Äußeres, ihre starren Blicke und (im Falle der Frau) das bedrohliche Zusteuern auf das mutmaßliche Opfer mit abgehackten Bewegungen (Sadako lässt grüßen) verursachen schon den einen oder anderen Schock – aber eben nicht mehr bei der fünften Wiederholung. Nur eine überschaubare Anzahl an Schockmomenten sticht aus dem Einheitsbrei hervor.

Fazit

Letztendlich trüben die Erzählweise und die Vorhersehbarkeit trotz der überaus guten Ansätze des Films das Gesamtbild zu sehr. Eine dichte Atmosphäre allein reicht nicht, um die Klasse eines Konkurrenten wie Ringu (oh, hab ich den in diesem Review schonmal erwähnt?) zu erreichen, denn verglichen mit Ju-on sind dessen Charakterzeichnung und Plot geradezu monumental. Explizit abraten möchte ich weder vom japanischen, noch vom amerikanischen Remake (das ich tatsächlich eine Ecke besser finde), doch mit einer allzu hohen Erwartungshaltung sollte man hier nicht herangehen.

6/10

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